Minimalismus
- Janine Brodbeck
- 3. März 2020
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2020
Minimalismus im Wohnen, Maximalismus im Leben
Warm haben. Essen, trinken, schlafen. Sein. Warm haben. Mein Öfeli, mein Held - meine Duvets, meine Retter.
Wie alles kam...
Im Frühling 2017 war ich in einer persönlichen Krise an diesen schönen Platz am See gezogen. Ich musste aus einem grossen, schönen Haus ausziehen, meine Allerliebsten verlassen und konnte mich damals beim besten Willen nicht anfreunden mit dem Gedanken, allein in einer Wohnung zu wohnen. Ich sah mir solche zwar an, und einige waren auch nicht schlecht, aber im Vergleich zu dem, was ich gerade verlor, fühlte sich das einfach nur beschissen an. Der Gedanke, stattdessen lieber den Sommer auf einem Campingplatz zu verbringen, setzte sich hartnäckig fest und entpuppte sich als die Variante, die sich wenigstens abenteuerlich und sogar ein bisschen lustvoll anfühlte in der Schwere des Moments. In Rekordzeit packte ich all meine Habe, brachte fast alles in einer Garage unter und zog mit dem Hyace-Bus meiner Schwester und einem Zelt auf den Zeltplatz. Die ersten 2 Wochen hatte ich noch ein Zimmerchen, worüber ich sehr froh war, da es am Tag nach meiner Ankunft schneebedeckt war. Ich zog bald in den Bus und ins Zelt und schliesslich durfte ich sogar einen Wohnwagen auf dem Gelände kaufen und umgestalten, so dass ich nun ein festes Dach über dem Kopf und doch ein wenig mehr Luxus habe.
Schon in den ersten Tagen, obwohl in Trauer um die Verluste, spürte ich, wie mich dieser Ort und diese Lebensform heilsam umhüllten und meine Energiespeicher sich füllten. Die Verbindung mit der Natur, Sonnenlicht, frische Luft, Kälte (draussen duschen trotz Schnee) brachten mich mit mir selber wieder in eine schöne Verbindung. Ich hatte mich verloren und fand mich gerade wieder, mit viel Dankbarkeit, die mich durchströmte. Ich erlebte den schönsten Sommer meines Lebens!
Letzten Sommer (2019) hatte ich Lust, dieses Leben wieder ganz zu leben, nachdem ich im 2018 zwar oft in meinem Wohnwagen, aber auch noch in einer wunderbaren Wohngemeinschaft verbrachte. Ich zog aus und diesmal behielt ich kaum Möbel. Ein einziges Buffet, das mir am Herzen liegt, habe ich zu meiner Mutter bringen dürfen, und ein paar Kisten, die ich aber bald aussortieren möchte.
Bilder von Janine Brodbeck
Einfaches Leben
Von Juli bis anfangs November war ich ganz im Wohnwagen daheim, lebte einfach, aber glücklich. Ich liebe es, heimzukommen und an warmen Tagen als erstes ein Bad im See zu geniessen. Und noch besser, den Tag bereits im See zu beginnen. Meine Riesengrosse Badewanne - kalt zwar, aber erfrischend, erquickend, wunderbar.
Aber es ist nicht immer warm. Die kalten Tage häuften sich im Herbst mehr und mehr, und so wurde der kleine Petrolofen im Wohnwagen zu einem treuen Gefährten. Es muss zum Ein- und Ausstellen rausgestellt werden, weil es sonst stinkt, und obwohl ich mir dabei manchmal fast den Rücken verrenkt habe, ist er doch mein Held, dieser Ofen. Ich liebe diese Wärme, schnell und direkt. Er heizt unglaublich stark und schnell, und so veranstaltete ich abends eine Privatsauna, bevor ich ins Bett schlüpfte, unter meine beiden Duvets, die mich zuverlässig warmhielten. Eines kam gegen die Kälte der Nacht nicht mehr an. Zwei lagen da auf mir, schwer. Drückten mich nieder. Und da sank ich in die allzu weiche Matratze, über mir der Turm von Federn und Stoff, geborgen und warmgehalten. Bald schon kroch die Kälte hinein in den Wohnwagen, in fast alle Ritzen. Der Atem stiess feuchte Schwaden in die Luft. Ich freute mich darüber, warm zu haben, genoss dieses immer neue Abenteuer des einfachen Lebens. Schlief selig. Und wenn ich morgens aufwachte, streckte ich die Hand nach meinen kalten Kleidern aus und holte sie zu mir unter die Decke. Es braucht Mut, in der Kälte aufzustehen. Bis anfangs November hatte ich es jedes Mal irgendwann geschafft und fühlte ich mich wie eine kleine Heldin. Dann kamen neue Kapitel - wohnen in Bern, Reisen in Spanien und Costa Rica. Aber der Wohnwagen wartet schon, meine Sehnsucht wächst; nach dem kleinen Paradies, nach meinem Öfeli und meinen Duvets, nach dem einfachen Leben, dem Fokus aufs Wesentliche: warm haben, essen trinken, schlafen, warm haben.... und ganz viel einfaches Sein.











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